Ende: eine Liebeserklärung

Hallo Menschen, ich habe mich dazu entschieden, nochmal eine Art Fazit zu verfassen. Ein Fazit zu den 3 Monaten, die hinter mir liegen. 6 Tage ist mein Abschied aus Island jetzt her. 6 Tage, gefüllt mit Wiedersehen und neuen Trennungen; 6 Tage voll mit Zugfahren, Stress und Schmelzen bei den „wundervollen“ Temperaturen von 35°C, die hier vorherrschen..So langsam bin ich endgültig angekommen hier. Es fühlt sich komisch an. Einerseits ist es alles wie früher, wie vor 3 Monaten, als ich in den Flieger gestiegen bin, es hat sich nichts verändert; mein Zimmer ist das gleiche, es sind die gleichen Leute, die gleichen Straßen etc. und trotzdem fühlt es sich alles anders an, fremd.

Zuerst einmal bin ich um so viele schöne, wie schlechte Erfahrungen reicher und habe mich weiterentwickelt.

Zu Island:

Ich bin so froh, dass ich damals meine Idee nicht aufgegeben habe und wirklich nach Island bin. Ich habe mich in meinen Ort verliebt, sowie in das Land generell. Island ist anders, wunderschön, aber nicht so wie viele andere Orte dieser Erde. Man bewegt sich einige Meter und endet an immer einem neuen, tollen Ort, den man vorher noch nicht kannte. Jeden Tag, wenn ich aus dem Haus gegangen oder aus dem Fenster geschaut habe, habe ich neu verliebt. Bei jeder Autofahrt habe ich rausgeschaut und egal, wie eintönig die Landschaft um die Ringstraße zum Teil aussehen mag, man findet doch immer Kleinigkeiten, Details, die die Gegend verändern. Ein Land gefüllt mit „unendlich“ vielen Wasserfällen, Gletschern und damit Schnee und direkt nebenan Vulkane. Schwarze Strände, Kliffe und Felsen, Papageintaucher, Wale und Robben. Ein Land, durch das ein riesen Spalt zwischen zwei Kontinenten verläuft und umgeben vom Meer. Schluchten, Kraterseen und bunte Bergspitzen. Flüsse, aus denen du trinken kannst. Kleine Orte, umgeben von nichts. Bunte Fischerhäuser am Meer. Reykjavik ist anders- es ist die einzige Stadt, die den Namen Stadt verdient hat. Hauptstadt Islands, knapp über 100000 Einwohner, mit den angrenzenden „Städten“ hat der Großraum 200000 Einwohner. Das ist einerseits ein Drittel der Gesamtbevölkerung, andererseits ist das vergleichbar mit Mainz, der nächsten Stadt von mir, die in Deutschland Leute teils nicht mal kennen, wenn sie nicht Bundesliga verfolgen. In Island dreht sich alles um und in Reykjavik, dort ist das blühende Leben. Viele Touristen und genauso viele Isländer teilen sich den Laugavegur. In Reykjavik wird gefeiert, das Kulturangebot ist riesig, Theater, Konzerte, Festivals, Paraden (Gay Parade, Slut Walk etc), Color Run, Marathon und sogar Justin Bieber gibt ein Konzert in Reykjavik. Island ist ein Land der Extreme und der Gegensätze. Von der Natur mit heiß und kalt, steinig und grün, zu den Orten von groß und voll zu klein und nahezu tot, zu dem Wetter. Das Wetter ist so eine Sache. Wenn ich sage, das Wetter ist in Ordnung, schauen mich die Leute an, als ob ich spinne. Gut, der Winter mag blöd sein, aber der isländische Sommer ist okay. Man wird zwar die Jacke nie los und es kann mal losstürmen und regnen, aber so schlimm ist es nicht. Ich finde es persönlich angenehmer als die 35 Grad hier. Natürlich denkst du manchmal, dass du das Haus nicht verlassen willst bei so einem Wetter, aber das Wetter ändert sich eh sehr oft und viele Sachen wirken im Nebel und wolkenverhangen nur noch schöner. Die Sommernächste sind kalt, aber hell. Es ist verwirrend, wenn es immer hell ist, aber es ist besonders. Aber auch, wenn es gegen  Ende Juli hingeht, wird es schön. Es gibt wundervolle Sonnenuntergänge und kurze Nächte. Ab August kann man dann auf eimal mit Glück schon Nordlichter erhaschen. Der Winter mag schlimmer sein, das Wetter sehr schneeig und anstrengend und die kurzen Tage beengend, aber man kann es überleben und die Isländer sagen, dass der Sommer es immer wert ist, auf ihn zu warten. Ich selbst will und werde im Winter bestimmt nach Island kommen und mir das anschauen und am liebsten auch erleben können für ein paar Tage mehr.

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ein bisschen Island

Zu Vestmannaeyjar:

Natürlich kann ich nicht meine „Heimatinsel“ unerwähnt lassen. Island ist wundervoll, aber noch mehr habe ich meine Insel ins Herz geschlossen. Vestmannaeyjar: Das ist nicht nur eine Insel, das ist eine ganze vulkanische Inselgruppe (15 Inseln oder so?) im Ozean, wobei eben nur eine bewohnt ist. Das ist Heimaey (Heimatinsel), wobei die Stadt auf Heimaey, wo ich ja demnach war, wieder Vestmannaeyjar heißt, um mal Licht in das ganze zu bringen. Egal, wie viele Worte man über Island verliert, Vestmannaeyjar ist nochmal anders. 4000 Mann (und einer davon Zahnarzt+Nationaltrainer..) leben dort umringt von fünf Bergen oder so und neben zwei Vulkanen. Eine Insel, die lediglich aus Fisch und Touristen besteht. Egal, wohin man geht, man passiert mindestens eine Fischfabrik. Der Fisch hängt neben der Bibliothek und dem Spielplatz zum Trocknen und man hat einen permanenten Fischgeruch- klingt jetzt alles gar nicht so toll, oder? Ich weiß es nicht genau. Landschaftlich ist Heimaey faszinierend und die Leute haben auch nochmal eine eigene Art. Spricht man auf Heimaey von Islands Hauptinsel, wird sie schnell mal als die „kleine Nachbarinsel“ bezeichnet und das zeigt in etwa das Denken der Leute über den Ort. Die Leute springen mit Seilen an Kliffen lang und Autos oder gar Häuser tagsüber abschließen, ist schon fast gesellschaftlicher Suizid. Jón hat einen Abend gesagt: „Wenn du einmal auf Vestmannaeyjar gelebt hast, kommt du immer zurück.“ Und er hat recht.

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ein bisschen Heimaey

Zu meiner Familie:

Ja, wir hatten Stress. Beide Seiten waren immer wieder mal genervt von verschiedenen Kleinigkeiten und trotzdem war es alles in allem gut. Sowie es in jedem normalen Haushalt manchmal kracht, tut es das eben in Island auch. Sie sind ein bisschen verrückt und teils ein bisschen zu spontan, aber sie sind sehr herzliche Menschen. SB kann sehr wild sein, EL kann an manchen Tagen nur Drama machen und das ist okay so. Ich hatte mit den beiden Kleineren eine echt gute Beziehung und ich weiß, dass auch die Beiden mich vermissen. Es gibt bestimmt weniger herausfordernde Familien, aber ich habe viel gelernt dadurch, über mich, über den Umgang mit Kindern und anderes. Ich stehe momentan in noch regem Kontakt und hoffe, dass sich dieser auch nicht komplett verliert.

Zu meinen Freunden:

Auch das war ein permanentes Auf und Ab. Im Endeffekt war es immer die gleiche Truppe, aber immer wer anders, mit dem ich am besten in Kontakt stand. Ich vermisse die Chaoten und hoffe möglichst viele davon wiederzusehen. Ich hatte viele lustige Abende, habe ziemlich viele neue Leute kennengelernt und bin froh, dass ich am Ende doch relativ schnell Teil der Gruppe wurde. Ich vermisse sowohl meine isländischen, als auch die ganzen international verteilten Leute. Viele, viele Fotos bleiben als Erinnerung immer da.

 

Also wer auch immer kann, probiert es; geht raus in die Welt und brecht aus dem normalen Leben aus. Aber nicht wundern, wenn man dann ständig Fernweh oder Reiselust hat im Nachhinein und das normale Leben auf einmal langweilig erscheint. ;D

Bis bald, wenn ich mal wieder spannendes zu berichten habe und zurück in dem Land der Wikinger, Elfen und Trolle bin.

Dankeschön, takk fyrir und so weiter!

 

 

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