Days #39-45: Der Wahnsinn hat ein Ende

Ich würde euch ja gerne, spektakuläre, tolle Sachen erzählen. Das einzig spektakuläre von meinem letzten Blogeintrag bis Donnerstag Mittag war aber der Island Sieg gegen England, mit dem wohl keiner gerechnet hatte. Ich würde jetzt ja erzählen, wie sich alle gefreut haben und was für eine Euphorie hier herrschte, in Angesicht des Viertelfinale heute denke ich aber, dass das falsch wäre. Island hat sich wohl besser geschlagen, als es alle vermutet haben. Sie haben sich überall in Europa Sympathien geschaffen und mit dem Kommentatoren einen weiteren Isländer berühmt gemacht. Danke Island für den Zusammenhalt und all die schönen Minuten; danke, dass ich das hier miterleben durfte! Und ich mein‘, wenn man 5:1 hinten liegt, trotzdem noch nicht ganz aufzugeben und am Ende noch mit dem 5:2 belohnt zu werden, ist doch immerhin auch noch was Schönes. Dazu kommt, dass hier mittlerweile Freude über das tolle Turnier und der Zusammenhalt aller  über alle Enttäuschung, dass keine zweite Sensation gelingen konnte, überwiegt. Also áfram ísland, hoffentlich hört man das „Huh“ bei der WM 2018 wieder in den Stadien!

Sonst war in der Woche auch eher normaler Alltag angesagt. Donnerstag Nachmittag war ich mit Viktoria dann nochmal im Schwimmbad. Abends sind wir ein bisschen durch den Ort gefahren. Da am Wochenende hier ein -später nochmal erwähntes und erklärtes- Fest war, gab es eine Art Bingospiel, bei dem man Zettel mit Nummern im Ort finden musste, die in Läden, Restaurants und öffentlichen Gebäuden versteckt wurden. Einige Zettelchen haben wir gefunden, ein paar andere fehlen uns leider.

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Freitag Mittag kam dann Pauline hier an (nach einem sehr, sehr arbeitsreichen, anstrengenden und chaotischen Vormittag) und da A angeboten hatte, EL aus dem Kindergarten abzuholen, konnten wir direkt die Insel erkunden. Dabei haben wir dann doch beschlossen, aus Gründen der Einfachheit das Auto zu nehmen. Also bin ich dann nach sechs Wochen Island das erste Mal Auto hier gefahren. 😀 Jedenfalls waren wir bei spranga (dieser Seilschwung-Inselsport), was leider wegen dem Wind und meinem begrenzten Talent darin schwer war, Pauline zu zeigen. Wir haben es dann auch bald aufgegeben und sind nach Stórhöfði, was der windigste Ort Europas ist und ein Vogelbeobachtungspunkt. Vor allem die typisch isländischen Papageientaucher (aka Puffins) soll man da natürlich sehen, was aber sehr schwer war an dem Tag. Nachdem ich Pauline inklusive Kamera weggelockt bekommen habe und einem kleinen Stop bei Bonús (Versorgung kaufen c: ), gab es dann Abendessen. Danach hatten Jón uns eingeladen zu einer Art „Party“, „Treffen“, was weiß ich. Jedenfalls waren wir den ganzen  Abend mit ca. zehn angetrunkenen, isländischen Freaks unterwegs. 😀 Auch wenn man natürlich oft nichts versteht, weil doch viel isländische gequatscht wird, finde ich den Abend echt ganz cool und es war schön mal ein paar Isländer kennenzulernen. Ein paar waren zwar etwas gruselig, aber einige auch echt nette Gesellen. Geschockt waren wir auch nicht von den Kerlen, sondern eher von den paar Mädchen (die wir nur 10 Minuten oder so gesehen hatten), die mindestens eine Tonne Makeup im Gesicht hatten und irgendwelche Glitzersteine. Wenn das hier normal ist in dem Alter, dann gute Nacht.

Samstag wurde dann nach dem langen Abend vor allem ausgeschlafen. Später ging es dann auf Wunsch Paulines ins Eldheimar. Das ist ein Museum zum Vulkanausbruch 1973, das ich auch noch nicht besucht hatte. Im Mittelpunkt steht ein Haus, das genau an dieser Stelle stand und in jahrelanger Arbeit aus den Vulkangestein- und Aschemassen freigebuddelt wurde. Es ist wirklich faszinierend, dass zu sehen- diese Kraft, die die Natur mit sich bringt. Vor allem erschreckend ist es, wenn man Kleider oder Stofffetzen in der Asche rumliegen sieht. Aber auch drumherum hat es sich echt gelohnt. Die ganze Ausstellung war super informativ (v.a durch einen Audioguide in allen möglichen Sprachen) und auch interaktiv. So gab es zum Beispiel eine Art Drehscheibe, wo eine Umdrehung den Zeitraum des Ausbruches zeigte, sodass man mitverfolgen konnte, was wie gemacht wurde, um den Ort zu retten und wo sich welche Krater/Spalten und sich neue Inselteile aufgetan haben. Auch gab es eine Art Sandkasten, wo man selbst das alte Dorf usw. ausbuddeln konnte. Besonders beeindruckend fande ich die Interviews mit Betroffenen und eine Karte, die die damaligen Inselbewohner zeigt und wohin diese, wann, in Island geflohen sind und wie viele zurückgekehrt sind (4.200 von damals knapp 5.400 oder so).

Anschließend sind wir dann noch ein bisschen durch eben diese neuen Teile der Insel gefahren und haben einen kleinen, nennen wir es, Leuchtturm gefunden, der dem Namen aber nicht wert ist.

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Eigentlich war dann geplant mit Jón und Freunden schwimmen zu gehen, was dann meiner Dummheit wegen gescheitert ist… Stattdessen haben wir dann ein bisschen Fernsehen geschaut, auf’s Abendessen gewartet und dann pünktlich um sieben natürlich Fußball geschaut. Man, war das nervlich anstrengend, dieses Spiel anzuschauen. Dann waren wir einen Film schauen bei Jón und um Mitternacht auf einem Konzert am Hafen (wo Jón nicht hindurfte :D). Das ist anlässlich des Festes Goslokahátíð (Wo wir wieder beim Thema sind: Das ist das Fest, wo das Ende des Vulkanausbruchs 1973 gefeiert wird) hier gewesen und ist so das Highlight dieses. Da haben sich wahrscheinlich 90% der Inselbevölkerung getroffen und getrunken und getanzt. Es waren alles gecoverte Lieder , aber meist isländische. Wir sind also viel rumgelaufen, haben uns umgeschaut und am Ende sogar einige von Jóns Freunden getroffen, die dann nochmal jedem von uns erzählt haben. Ich glaube, mittlerweile weiß jeder hier in dem Alter von den komischen Deutschen. 😀

 

Heute sind wir dann leider relativ früh aufgestanden, um noch zum Vulkan Erdfell hoch zu wandern. Ich kenne den zwar bereits, dachte aber, dass das was ist, was man gesehen haben sollte. Da der Vulkan aber eben schonmal hier vorkam und beschrieben wurde, belasse ich es hier dabei und füge nur vielleicht nochmal wenige Bilder an.

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Anschließend mussten wir uns etwas zurückbeeilen. Um 14:00 stand Ribsafari auf dem Programm. Das ist eine Tour mit einem Schnellboot, an der Insel entlang, in Höhlen und zu anderen Inseln. Obwohl ich mich mit dem dicken, gelben Anzug und der Rettungsweste ein bisschen komisch gefühlt habe, hat sich das ich gelohnt. Es war nicht nur sehr informativ, sondern auch einfach spaßig und wunderschön an manchen Orten. Zwar konnten wir keine Robben oder Wale sehen, die man wohl doch gar nicht so selten findet auf der Tour, aber empfehlenswert ist das alle Mal.

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Elefant?

Stressig war es danach wieder. Bis wir nämlich zuhause waren, war es 15:15. Da musste Pauline dann aber noch schnell packen, weil wir dann mit dem Auto Jón eingesammelt haben und nochmal zum spranga sind, damit er Pauline zum Abschluss nochmal zeigen kann, wie das richtig geht. Da er ja einheimisch hier ist und scheinbar mit vier Jahren das erste Mal an diesem Seil gehangen hat, sieht das bei ihm natürlich wesentlich cooler aus, obwohl es heute auch bei mir langsam Fortschritte gemacht hat. Er hat mir versprochen, mir das richtig beizubringen, bevor ich zurückmuss.

Dann haben wir die liebe Pauline zur Fähre gebracht. An dieser Stelle danke an dich für die schönen Tage hier im Land der Elfen und Trolle (hier ist jeder zweite Fels im Wasser ein versteinerter Troll und Löcher im Gestein Elfenkirchen) und auf ein Wiedersehen in Deutschland. Madame verlässt Island nämlich nächstes Wochenende schon und lässt mich hier allein ;). Der Rest des Sonntages war auch schnell vorbei. Ich war dann mit Jón und einem Freund, dessen Name ich nicht kenne, noch ein bisschen rumlaufen und dann war ja Fußball, wobei es hier auf der Insel das erste Mal richtiges Public Viewing gab, was echt schön war und ein tolle Atmosphäre bei wundervollem Wetter heute hatte.

Da ich keine Videos hier hochladen darf: Public Viewing- Huh! (Das war übrigens in der Halbzeit, also als man schon 4:0 hinten lag 😉 )

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Mit Viktoria habe ich am Wochenende eigentlich nichts gemacht, was auch daran liegt, dass diese jetzt in der Polin, die bei ihrer Familie wohnt, um hier zu arbeiten, jemanden hat, der immer um sie herum ist, sodass ich momentan nur an zweiter Stelle bin. Ich muss nun mal auch ehrlich sagen, dass ich manchmal lieber was mit Jón und Co. mache, da die einfach besser Englisch reden und ich da nicht drauf achten muss, ob ich mal ironisch oder sarkastisch rede.  Morgen beginnt dann eine neue Woche, mal sehen.

Danke für’s Lesen, bis bald. Bless!

Und hier noch ein Lied, dass ich an diesem Wochenende echt mehrmals hören durfte. Ein Lied zu dieser Insel und zu dem großen Festival im August (zum Festival 2012), was auch dafür entstanden ist. Aber irgendwie ist das so passend zu dem Leben hier auf der Insel! Lied 🙂

2016-Festival-Lied: Þjóðhátíð 2016

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