Days #31-34: ein kleines Zwischenfazit

Jetzt habe ich mich doch mal entschieden, ein kleines Fazit zu schreiben. Ich meine, über ein Monat ist vorbei, „Eingewöhnungsphase“ist das auch nicht mehr. Ein Drittel der Zeit ist auch schon in etwa vorbei. Und momentan sitze ich hier und denke über die Zukunft nach. Was danach kommt und muss mir ehrlich eingestehen, dass ich es nicht weiß. Ich weiß nicht, wie alles weitergeht. Klar, die Unibewerbungen sind auf dem Weg nach Deutschland, aber ist das das, was ich eigentlich möchte?

Die letzten Tage hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und möchte euch einiges davon erzählen.

Aber zuerst mal die letzen Tage so zusammengefasst. Sonntag ist wirklich nichts mehr passiert, gar nichts. Ich habe den ganzen Rest des Tages nur noch mit rumliegen und nichts tun verbracht, wie der ganze Rest der Familie auch. Das Abenteuer Reykjavik und vor allem der Stress mit der Fähre hat dann doch alle mehr Nerven und Ausdauer gekostet, als man denkt und als man sich selbst eingestehen will. Montags war ein bisschen stressig mit dem Gasthaus, auch da SB unbedingt helfen wollte. Das ist an sich kein Problem, ich persönlich mag es aber einfach lieber das selbst zu machen. Dann weiß ich, woran ich bin und kann die Ruhe genießen.

Dann waren wir dann nochmal schwimmen, Schwimmen macht hier einfach echt Spaß und draußen zu sein im warmen Wasser, wenn das Wetter total grausam ist, ist irgendwie entspannend.

Nach dem Abendessen waren wir dann auch nochmal weg mit Viktoria, aber auch nicht lange, es war kalt und unangenehm draußen. Dienstag war der Tag wieder mit Hausarbeit und v.a dem Gasthaus gefüllt, sodass ich Viktoria gar nicht gesehen habe. Abends hatte sie keine Zeit.. Gestern war auch nichts cooles. Morgens wie immer, dann hätte ich mit Viktoria schwimmen gehen können, aber irgendwie habe ich den ganzen Tag bisschen vor mich hingekränkelt. SB dagegen ist zu denen hin. Um 16 Uhr war dann das Land wieder tot, entschied sich doch, ob sie sich für das Achtelfinale qualifizieren oder nicht. Bis auf Rettungsdienst hatte eigentlich das ganze Land hatte frei ab 15:30. Und das meine ich ernst- im Radio, Fernsehen überall wurde das verkündet.

Das ist Island- das Land, in dem ein Gruppenspiel der Europameisterschaft wichtiger ist, als alles andere. Und der Traum geht ja weiter. Spätestens nach dem mittlerweile viralen Video des Kommentatoren, kennt jeder Island und kann sich die Stimmung hier gut vorstellen. Ich mein, Leute fangen am Flugzeuge anzumieten, um nach Nizza zu fliegen..

Gestern abend war ich dann mit Jón und Viktoria unterwegs, und dann haben wir einen Horrorfilm geschaut.. Ich verstehe mich mit beiden gut und mit Jón kann man sich super unterhalten. Da habe ich besonders gemerkt, wie schön eine Sprache ist, die eigentlich alle verbindet irgendwie.

IMG_20160620_221542
Schild am Hafen
IMG_20160620_221815
Bild auf einer Fischfabrik
IMG_20160620_221152
„Kunst“

 

Und jetzt zum eigentlich Thema- einer Art Zwischenfazit:

Mir fällt es sehr schwer, meine Gedanken dazu zu bündeln und zu sortieren, also verzeiht es mir, wenn es sich doppelt oder alles chaotisch ist.

Au-Pair ansich:

Ich persönlich halte von dem Au-Pair-Programm und der Idee dahinter immer noch sehr viel. Klar, es gibt viele, viele Horrorgeschichten. Von Familien, sowie von Au-Pairs. Allerdings denke ich wirklich, dass das Ausnahmen sind. Ich habe gelernt, dass man der Typ dazu sein muss. Es ist was ganz anderes, ab und an mal ein paar Stunden mit Kindern zu arbeiten, als eigentlich 24 h. Denn auch, wenn man natürlich gerade „frei“ hat, die Kinder sind um einen rum. Man ist permanent im Umgang mit ihnen (wenn man nicht gerade mal das Haus verlässt) und wenn man Pech hat, wird halt mal geschrien nachts im Nebenzimmer oder Terror veranstaltet.. Deswegen denke ich auch, dass das eine echt gute Erfahrung mal ist, aber eben auch nicht vergleichbar. Natürlich gibt es andere Programme, die auf dem ‚Arbeiten im Austausch für Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld‘-Prinzip beruhen, wo man härter arbeiten mag. Vergleichen sollte man das nicht. Körperliche Arbeit ist was anderes. Au-Pairs sind eher darin gefordert, immer da zu sein und auch immer, eben auch spontan mal, auf die Kinder aufzupassen und dabei immer freundlich und ruhig zu bleiben.

Gastfamilie und Ich:

Das ist wahrscheinlich der springende Punkt. Wenn man und die Gastfamilie nicht harmoniert, ist das schon vorab gescheitert. Das ist auch so eine Sache. Meine Gastfamilie ist wirklich super, ich kann mich mit beiden Gasteltern unterhalten und es ist auch nicht so, dass es sich wie es ein „Arbeitgeber-Arbeitnehmer“-Verhältnis oder so anfühlt. Die beiden sind extrem hilfsbereit und zuvorkommend, trotzdem, was ich auch verstehe, fühlt man sich manchmal fehl am Platz. Wenn man merkt, dass irgendeinen Stress gibt etc. oder generell, hat man manchmal das Gefühl, unpassend zu sein. Mit den Kindern das ist so eine Sache. Einerseits liebe ich den Kleinen, andererseits ist es manchmal echt lästig. Der Umgang mit ihm, wenn andere Familienmitglieder, insbesondere SB, dabei sind, ist sehr schwer und ich habe wirklich Angst, dass in der kindergartenfreien Zeit das ein großes Problem wird. SB ist auch so eine Sache. Sie ist echt schwer zu bändigen und aktiv. Seit ich hier bin, sieht sie auch nicht mehr ein, raus zu gehen mit Freunden, sondern wuselt immer um mich herum. Das ist zum Teil etwas nervend, aber irgendwo kann ich es ja nachvollziehen.. Für mich am schwersten und wirklich unangenehm ist für mich V. Gut, ich sehe ihn zum Glück nicht oft, er zeigt aber sehr deutlich, dass er mich nicht unbedingt hier haben will und weigert sich, englisch zu reden. Ich bin manchmal echt erleichtert, dass er momentan in Reykjavik ist für noch mindestens eine Woche und das tut mir weh zu sagen. Ich denke, wenn man vorher skypt und schreibt, kann man durchaus einschätzen, ob das passen wird.

Allerdings: Fragt auf jeden Fall konkret nach Aufgaben, Plänen und Hintergründen. Ich habe das nicht so genau gemacht und habe darauf vertraut. Nicht, dass es jetzt extrem schlimm wäre, aber es ist schon so, dass ich mehr Hausarbeit mache hier als viele andere Au-Pairs und weniger als 30% meiner Arbeitszeit tatsächlich mit den Kindern verbringe. Auch kam mittlerweile heraus, dass mir andere Sachen (z.B eine Krankheit eines Kindes, die schon einen Unterschied macht) verschwiegen wurde. Das Prinzip basiert halt viel auch auf Ehrlichkeit und sowas ist immer ärgerlich im Nachhinein zu erfahren.

Island, Kultur und Menschen:
Ein absolut durch und durch tolles Erlebnis. Island bietet dir unglaublich viel an wunderschöner Natur, selbst am den nicht so bekannten Plätzen. Die Städte sind immer so süß mit den kleinen, bunten Häusern und Reykjavík ist wahrlich eine beschaulich und eigene, aber lebendige, künstlerische und sehenswerte Stadt. Alle, die ich bisher kennenlernen durfte, sind sehr nett, interessiert und offen. Aber vor allem der Zusammenhalt und irgendwo die Liebe zu dem, was das Völkchen hier oben geschafft hat, ist überwältigend.

Sprache und Lage:
Und jetzt kommt das große Aber. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist. Man unterschätzt sehr schnell, wie es ist, kein Wort zu verstehen. Vor allem, wenn man beim Essen oder wenn Besucher kommen nur schweigend dabei sitzen kann. Isländisch ist eine lustige Sprache anzuhören, aber leider nicht so einfach. Lesen ist meist kein Problem, die 35 (oder so) Buchstaben sind doch oft sehr ähnlich zum Deutschen, aber alles andere ist dann auch zu viel. Man fühlt sich schnell ausgegrenzt und allein. Zum zweiten Aber: Vestmannaeyjar. Irgendwo bin ich froh, genau auf diesem Inselchen zu sein. Das Feeling und die Menschen sind halt doch noch mal anders und Heimaey (Inselname) ist zurecht ein Must-See für viele Touristen und im Sommer übersäht von Leuten aus allen Ländern. Trotzdem ist das neben der Sprache ein weiterer Isolationsfaktor. In Reykjavík ind Umgebung findet man schnell Kontakt, andere Au-Pairs und Farmarbeiter gibt es einige, aber finde mal Anschluss auf einer 4500 Menschen Insel. Ich bin sehr froh, dass ich momentan ein bisschen Leute gefunden habe, mit denen ich klar komme. Auch weil Pauline mich ja leider relativ bald schon verlässt hier in Island.

-> Ich mag es hier und Island ist ein tolles Land. Größtes Problem: Einsamkeit. Heimweh habe ich in dem Sinne nicht, ich sehne mich nur vor allem im Alltag nach Menschen meines Alters und manchmal auch meiner Sprache. Einfach ohne zu denken los quatschen können. Generell denke ich, dass Island ein Fleck Welt ist, den man einfach mal gesehen haben sollte. Es ist anders hier, aber in einem positiven Sinne.

Und damit tschüss aus dem Bus 52 auf dem Weg nach Reykjavík. Man sieht sich bald wieder. Bless und áfram Island.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s