Day #10: Irgendwo im Nirgendwo

Gestern war um 7:30 Aufstehen angesagt. Natürlich hat meine Zeitplanung nicht so ganz geklappt, sodass ich nicht um 8 Uhr losgegangen bin zur Fähre, sondern schlussendlich um 8:10 von meiner Gastmutter hingefahren wurde. Trotzdem war ich ja schlussendlich rechtzeitig auf der 8:30 Fähre, die dann nach einer halbe Stunde Fahrt in Landeyjahöfn angekommen war. Halb 10 sollte der Bus gehen, sodass ich mich noch ein bisschen dort umgeschaut habe. Landeyjahöfn ist kein Ort, da wohnt wirklich absolut keiner, das ist wirklich nur der Fährhafen selbst (der auch nur im Sommer angefahren wird, im Winter muss man drei Stunden von der Insel an das Festland fahren). Die Gegend dort schien lange „unbrauchbar“ für einen Hafen zu sein (der Hafen existiert seit 2010) und genau deswegen war es dort eigentlich ganz schön. Sobald man ein Stückchen läuft, ist man an menschenleeren, schwarzen Stränden oder steht in einer Art Sumpf-See-Gebiet. Jedenfalls kam der Bus früher, also habe ich eigentlich nichts gesehen von Landeyjahöfn.

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Fähre bei der Ausfahrt aus dem Hafen Vestmannaeyjar

Im Endeffekt war das Busfahren ganz entspannend, war ja auch nur 1h. Auch das Treffen mit Pauline hat gut geklappt (auch weil der Bus an einer unübersehbaren Tankstelle hält). Die wichtigste Frage stand aber bevor: Was tun wir jetzt? Wir entschlossen uns erstmal Selfoss (ein Ort, kein Wasserfall diesmal, trotz des „foss“!) zu erkunden, um enttäuscht zu bemerken, dass alles, was der Ort zu bieten hat, unschön oder an der Haupt-/Ringstraße gelegen ist, sodass es einfach nicht interessant ist. Also sind wir zu einem Vulkankratersee losgefahren, von dem ich vorher schon gelesen hatte; dem Kerið Krater (auch eingedeutscht/-englischt unter Kerid Crater zu finden). Man konnte sowohl „oben“ rundrum laufen, als auch unten direkt am Wasser, wobei man sagen muss, dass vor allem das unglaubliche Blau des Wassers das Ganze so schön gemacht hat.

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von oben
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am Wasser
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unten

Obwohl es gerade 12:30 war, haben wir dann beschlossen, was zu Mittag zu essen, wofür wir wieder zurück nach Selfoss gefahren sind, um in einem kleinen, gemütlichen Café/Restaurant gegessen haben. Danach stellte sich wieder die Frage, was wir noch machen sollen. Das Navi ihres Tablets hat uns „Tourismus und Natur“-Sehenswürdigkeiten in der Nähe vorgeschlagen, wovon aber nichts wirklich gut/interessant etc. klang. Nesjavellir hatte wenigstens ein paar undefinierbare google-Bilder, also war der Entschluss, dorthin zu fahren. Was genau das ist, wussten wir nicht. Jedenfalls sind wir in den 30 Minuten Fahrt mehr Schotter- und Sandstraße gefahren, als asphaltierte Wege und dauerhaft Slalom bei, auf, ab und um irgendwelche Berge (immer 15% Steigung), um mitten im Nirgendwo anzukommen. Ein kleiner Parkplatz am Straßenrand mit ein paar Wanderschildern. Gut, 3,6 km nach Nesjavellir zeigte uns eines an und da dies ja eigentlich das eingegebene Ziel war, starteten wir „rote“ Stöcke als Wegmarkierungen zu suchen. Wir kamen an unglaublich faszinierenden Orten vorbei und vor allem ständig wechselnder Landschaft. Erst sind wir im Matsch bei Bergen und nahe einer ‚Schlucht‘ rumgekraxelt (das trifft es besser, richtige Wegen waren das meist nicht). Dann auf einmal durch den Schnee/Eis gelaufen, dass Treppen, die es anfangs noch gab, überdeckten und einmal über ein ganzen Schneerücken (so groß, dass wir erst an einen kleinen Gletscher dachten :D), um danach wieder in tiefere Gebiete zu kommen und in eine Mooslandschaft zu kommen. Jeder Fleck Gestein war von einer hohen Moosschicht bewachsen, auf der du so eingesunken bist beim Laufen, dass das der Vorstellung des Laufens auf Wolken nahekam. Und obwohl an einem Schild kurz vorher nur noch 1,6 km standen, liefen wir weiter, immer Richtung Tal und See und sahen noch mehr Wegmarkierungen. Da wir aber zu meinem Bus wieder in Selfoss sein mussten, ging es für uns dann doch zurück (wir sahen die letzte Wegmarkierung dann auf der Rückfahrt am Straßenrand, zählt das?). Mit der Zeit hatten wir dann auch verstanden, dass vellir wahrscheinlich Tal heißt, was unsere Route erklären würde. Schlussendlich hat sich die Fahrt dorthin echt gelohnt, denn zum ersten Mal hatte man das Gefühl von Freiheit, da keine Menschenseele dort war und man einfach Island erlebt hat- nicht nur dass was jeder kennt, sondern eben das andere Island. Das Island, in dem auf dem Rückweg einfach Schafe und Lämmchen auf der Straße rumlaufen.

Den Bus haben wir auch noch geschafft (auch wenn wir da echt Zweifel hatten) und um 18:45 war ich wieder Landeyjahöfn. 19:20 bin ich auf die Fähre zurück, sodass ich da dann noch Zeit hatte, den wunderschönen schwarzen Strand zu besuchen und auf einem Felsen im Meer stehend, das weitere Ufer, das Meer und schlussendlich auch Heimaey/Vestmannaeyjar, was irgendwie schon ein süßer, schöner Ort ist.

 

Mein Handy hat in den Bergen übrigens irgendwann gestreikt, sodass mir einige Bilder vom z.B Moosfeld etc. fehlen. Wenn ich die Bilder von der lieben Pauline kriege, liefere ich diese vielleicht am Ende des nächsten Eintrags nach, mal sehen. 😉

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